„Hey ChatGPT, brauchen wir als Unternehmen noch eine Werbeagentur?“

Wie KI die Werbeagenturen bedroht – und letztendlich dafür sorgt, dass sie besser werden.
Viele UnternehmerInnen stellen sich zurzeit dieselbe Frage: Brauchen wir als Unternehmen überhaupt noch eine Agentur, wenn KI Webseiten, Texte und ganze Kampagnen in Minuten erstellen kann? Diese Sorge ist nicht neu und gab es so ähnlich schon in Wellen die letzten Jahrzehnte immer wieder. Website-Baukästen wie Wix oder Squarespace haben genau diese Frage schon vor Jahren aufgeworfen. Heute stellt sie sich mit neuer Wucht, denn künstliche Intelligenz kann inzwischen weit mehr als nur eine Webseite zusammenklicken.
Der Blick zurück lohnt sich. Jede dieser Technologiewellen hat Agenturen verändert, aber keine hat den Bedarf an ihnen verschwinden lassen. Für Unternehmen heißt das: Die entscheidende Frage ist nicht, ob man eine Agentur braucht, sondern wofür man sie künftig braucht. Gute Agenturen entwickeln sich mit jeder neuen Technologie weiter, schwächere Anbieter verschwinden vom Markt, allerdings nicht wegen des Tools, sondern weil sie sich nicht mitentwickelt haben.
Der eigentliche Flaschenhals ist nicht die Technik, sondern Zeit
Egal wie ausgereift ein Baukastensystem war oder eine KI heute ist: Ein Unternehmen, das eine neue Webseite oder eine Marketingstrategie selbst umsetzen will, muss sich intensiv mit dem Thema beschäftigen. Die UnternehmerInnen bzw. die MitarbeiterInnen im Unternehmen, an die das Projekt delegiert wurde, müssen sich Wissen aneignen und Dinge lernen, die außerhalb ihrer Kernaufgaben liegen. Die Verantwortlichen müssen ins Thema eintauchen, die richtigen Fragen stellen und die passenden Prozesse anstoßen. Genau an dieser Stelle kommt die Agentur zurück ins Spiel. Die KI nimmt einem Unternehmen diese Beschäftigung mit dem eigenen Business nicht ab, sie verschiebt sie höchstens.
Der Sparringspartner-Gedanke als Kern der Agenturarbeit
Was ein Team leisten kann, das mit Herz und Verstand hinter den Problemen des Kunden steht, kann eine KI nach heutigem Stand nicht ersetzen. Es geht dabei längst nicht mehr um die technische Umsetzung einer Webseite, das kann eine KI mittlerweile ähnlich gut wie ein Webentwickler. Es geht um den Blick von außen: einen Sparringspartner, der nicht betriebsblind ist und mit Lösungen um die Ecke kommt, an die im Unternehmen selbst niemand gedacht hätte. Diese Fähigkeit, sich ein Kundenprojekt zu eigen zu machen und gemeinsam mit dem Kunden etwas voranzubringen, ist der eigentliche Wert einer guten Agentur.
KI als Werkzeug, nicht als Konkurrenz
In der eigenen Agenturpraxis zeigt sich das ganz konkret: KI wird nicht als Bedrohung, sondern als Werkzeug eingesetzt, das bestimmte Prozesse beschleunigt und vereinfacht. Ein gutes Beispiel ist die Erstellung von technischen Markups wie JSON-LD für Suchmaschinen und Sprachmodelle. Was früher aufwendige Handarbeit war, lässt sich heute mit KI-Unterstützung deutlich schneller umsetzen. Auch komplexere Programmieraufgaben, etwa die Integration bestimmter Tools, Effekte oder Funktionalitäten, können Agenturen heute übernehmen, ohne dafür zwingend einen dedizierten Entwickler zu engagieren. Das senkt Kosten und macht Agenturen unabhängig von einer aufgeblähten Personalstruktur.
Wie Unternehmen die richtige Agentur erkennen
Unternehmen, die vor der Entscheidung stehen, eine Agentur zu beauftragen, sollten auf folgende Kriterien achten.
Erstens: echtes Engagement. Eine gute Agentur zeigt spürbares Interesse am Projekt des Kunden, nicht nur oberflächliche Auftragsabwicklung.
Zweitens: die passende Größenordnung. Ein mittelständisches Unternehmen sollte bei einer großen Agentur vorsichtig sein, denn mit begrenztem Budget landet man dort schnell hinten in der Projektreihenfolge. Die Agentur sollte groß genug sein, um Qualität und Expertise zu liefern, aber klein genug, damit das eigene Budget für das Team wirklich interessant ist. Nur dann ist auch das Engagement da, ein Projekt bis zum Ende erfolgreich durchzuziehen.
Drittens: passende Referenzen. Nicht die Hochglanz-Case-Study eines Weltkonzerns zählt, sondern ob die Agentur schon einmal ein Problem gelöst hat, das dem eigenen ähnelt.
Viertens: Transparenz im Umgang mit KI. Eine Agentur, die offen benennt, wo sie KI einsetzt und wo bewusst nicht, zeigt damit auch, wie ernsthaft sie mit ihrer Arbeit umgeht.
Fünftens: Erreichbarkeit im laufenden Projekt. Entscheidend ist nicht die Reaktionszeit im Pitch, sondern wenn es später einmal hakt. Ein festes, eingeschworenes Team ohne wechselnde Ansprechpartner, das Anfragen zügig beantwortet, ist hier ein unschätzbarer Vorteil.
Die Zukunft wird zeigen, wie weit sich KI noch entwickelt. Für die kommenden Jahre bleibt jedoch eines bestehen: Unternehmen suchen keinen Algorithmus, sondern einen Partner, der ihr Geschäft versteht, mitdenkt und mit Engagement dabei ist.